Duplo organics - Auszug aus einem Text anläÃčlich der Präsentation in der Galerie aroma Berlin ´98. Bildgalerie


Pedrottis Maschinen treten als phantastische Organprojektionen in Erscheinung. Die Organprojektionstheorien, wie sie seit Ernst Kapp Ende des 19 Jhdts. beschrieben werden, zeigen, dass sie nicht immer von der Projektion des naturalistisch verstandenen Körpers des Menschen ausgehen, sondern von einer abstrakten Vorstellung des Organismus. Die Technikproduktion wird hier durch den menschlichen Organismus erklärt, welcher bereits vorher als technisch und instrumentell aufgefasst werden muÃč. DaÃč Projektionsvorbild ist immer schon der gesunde, intakte, technisch-instrumentalisierte Organismus. Diese Vorstellung richtet sich wiederum nach den funktionellen Vorgaben technischer Gegenstände. Von daher wird verständlich, wieso die kybernetische Theorie sich durch die Rückkoppelung von Projektionstheorien definiert. Die Organe des Menschen müssen zuerst instrumentell, funktionell und isoliert betrachtet werden, bevor sie Vor- oder Urbild für technische Entwicklungen sein können. In diesem Fall wäre die Technik nur das Nachbild der menschlichen Organe, die bereits instrumentell verwendet und als disponible Mittel unabhängig vom eigenen Leib beschrieben werden. Gleichzeitig bedarf es aber der Technik, damit die Techniktheoretiker die Organe technisch, instrumentell auffassen können. Die menschlichen Organe werden hiermit zum Nachbild technischer Betrachtungen. Die Organprojektion bezieht sich hier offensichtlich nicht auf den menschlichen Körper uns seine Organe, sondern auf eine Technifizierung des Organismus, die auf der instrumentellen Vorstellung des menschlichen Organismus beruht. Der Organismus wird in der Organprojektionstheorie zugleich Vorbild und Nachbild der Technik. Wenn die Kybernetik die Organe als disponible Mittel betrachtet, die verstärkt, vergröÃčert und perfektioniert als Prothesen projektiv abgebildet werden, dann wird dieser Instrumentalisierung der menschlichen Organe unterschwellig immer schon ein Zweck zugeordnet. Pedrottis Maschinen verdeutlichen dieses Problem der Organprojektionstheorien, dann als Objekte erscheinen sie als schematische Nachbildungen von Herzpumpen. Ihre Funktion, bzw. ihr Zweck begreift sich jedoch als Abbildung von analytischen Denkmodellen. Die Differenz von Form (Herz-Abbildung) und Funktion (Abbildung einer Denkstruktur) thematisiert Günther Pedrotti in seinen Arbeiten: Die >Wassermaschinen< âÇ×denkenâÇť zwar nicht mit den Knie, dafür aber mit dem Herz.

Theo Ligthart, 1998